Woher kommen unsere Lebensmittel eigentlich?

Nur die wenigsten von uns werden ihre Lebensmittel konsequent von einem Bauernhof in der Nähe beziehen und Gemüse und Kräuter im eigenen Garten anbauen. Die meisten gehen zum Discounter, um sich mit den Dingen des täglichen Alltags zu versorgen. Doch wissen wir wirklich, woher die Produkte stammt, die wir täglich konsumieren?

Viele haben inzwischen ein gewisses Markenbewusstsein entwickelt und verbinden Hersteller von Nahrungsmitteln mit guter oder schlechter Umweltbilanz. Der Nestlé- Konzern ist vermutlich das beste Beispiel für negative Schlagzeilen der letzten Jahre. Besonders in Kritik geriet das Unternehmen, nachdem bekannt wurde, dass es zum Beispiel in armen Regionen Afrikas ganzen Dörfern sozusagen „das Wasser abgräbt“, um es selbst abzufüllen und teuer zu verkaufen. Viele Konsumenten achten deshalb mittlerweile darauf, dass keine Produkte mehr von Nestlé in ihrem Einkaufswagen landen. Doch das Problem steckt viel tiefer und leider können wir als Verbraucher kaum etwas dagegen tun. Im April 2018 startete der Lebensmitteldiscounter Edeka einen Boykott gegen Nestlé. Doch nicht etwa wegen Nestlés unlauteren Mitteln, an Rohstoffe zu gelangen, sondern wegen einer Preiserhöhung, die der Discounter nicht mitmachen wollte. Schon einen Monat später hatte man sich geeinigt und Edeka nahm alle Produkte zurück in sein Sortiment. Konzerne wie Nestlé produzieren allerdings nur die Endprodukte. Man mag es kaum glauben, aber in der Herstellungskette befinden sich tatsächlich noch skrupellosere Firmen und ihnen kann man nicht so einfach entgehen, da ihr Name nirgendwo auf einer Verpackung zu finden ist. Lebensmittelkonzerne produzieren ihre Rohstoffe im Allgemeinen nicht selbst, sondern kaufen sie von Rohstoffproduzenten wie Cargill oder Louis Dreyfus. Während letzterer vor einem Jahr endlich beschlossen hat, für den Anbau ihrer Rohstoffe – dazu gehört vor allem Soja – keine Waldflächen mehr zu roden, interessieren Cargill solche Veröffentlichungen wie die von Mighty Earth überhaupt nicht. Was zählt, sind lediglich die Umsätze und die liegen beim weltweit größten Rohstoffproduzenten bei etwa 115 Milliarden Dollar jährlich, gehören doch solch mächtige Unternehmen wie McDonald’s, Burger King, Kellogg’s, Danone und Nestlé ebenso zu seinen größten Kunden wie die Supermarktkonzerne Aldi, Edeka, Walmart, Tesco, Carrefour und Ahold Delhaize. Nur wenn diese Firmen Druck auf Unternehmen wie Cargill ausübten und empfindliche Einbußen drohten, würde vermutlich ein Umdenken stattfinden. Auch wenn Cargill den meisten Menschen vollkommen unbekannt sein sollte, liefert der Konzern die Grundlage für viele Dinge unseres täglichen Lebens:

• Anbau, Verkauf, Transport, Lagerung und Verarbeitung von Baumwolle, Weizen, Ölsaaten, Mais, Gerste und Hirse
• Herstellung von Futtermitteln und Zusatzstoffen für Rinder, Schweine, Geflügel und Fische, sowie Beratung von US-Bauern und Risikomanagement- Dienstleistungen
• Weltweit größter Hersteller von Rinderhackfleisch und bratfertigen Hamburgern, z.B. für McDonald’s, für den Cargill auch Chicken McNuggets herstellt
• Herstellung von Lebensmitteln wie Kakao und Schokolade, Glasuren und Füllungen, Tortillas, Salz, Öle und Fette, Süßungsmittel, Fleisch- und Eiprodukte
• Herstellung von Lebensmittelzusatzstoffen wie Stärke, Proteine, Emulgatoren, Pektine, Carrageene, Lecithine und anderen chemischen Produkten
• Herstellung von Beschichtungen für Pfannen und Backbleche, Zusatzstoffe für Kosmetika, Straßenbeläge, Biotreibstoffe, Straßensalz und Enteisungsmittel

Man kann dem Unternehmen also kaum entgehen. Genauso lang wie die Aufzählung der hergestellten Produkte ist allerdings die Liste der Verfehlungen:
• Abholzung großer Flächen Regenwalds in Brasilien für den Sojaanbau, Rodung von Flächen in Papua für Palmölplantagen
• Großflächiger Einsatz von Chemikalien wie Glyphosat
• Ankauf von Kakaobohnen von Plantagen, die auf gerodeten Flächen von Nationalparks angelegt wurden
• Billigung von Kinderarbeit auf Plantagen – hierfür wird aktuell eine Klage gegen Cargill und Nestlé vorbereitet, da beide Unternehmen Kinderarbeit von täglich bis zu 14 Stunden ohne Entlohnung oder richtige Versorgung, dafür aber mit körperlicher Züchtigung billigen
• Verletzung der Luftreinheitsgesetze – deswegen wurde Cargill 2005 in zehn US-Bundesstaaten verklagt
• Verunreinigung in der Lieferkette an Fast-Food-Ketten, wodurch mehrere Ausbrüche von Salmonellen und E.Coli verursacht wurden
• Unrechtmäßige Aneignung von Land in Kolumbien durch Tochterunternehmen

All diese Vorwürfe hat Cargill nie bestritten, sondern mit einer Hinhaltetaktik die Veröffentlichung des Berichts von Mighty Earth ein halbes Jahr lang hinausgezögert. Letztlich liegt es an den Großkunden von Firmen wie Cargill, Druck zu machen.

Worauf wir beim nächsten Einkauf achten können:

Unnötigen Plastikmüll vermeiden

Gerade beim Einkauf im Discounter begegnet man auf Schritt und Tritt unnötigem Plastik. Einkaufstüten aus Plastik kosten ja inzwischen zurecht Geld, was ist jedoch mit den Plastiktüten in der Gemüseabteilung? Ein Rückgang ist dort nicht zu verzeichnen. Verbraucher nutzen also nur weniger Einkaufstüten, weil es ihnen an den Geldbeutel geht, nicht weil ein Umdenken in Sachen Umweltschutz stattgefunden hat. Es gibt inzwischen mehrfach verwendbare (und waschbare) Stoffbeutel als Alternative. Auch Wurst und Fleisch kann in vielen Lebensmitteldiscountern inzwischen in selbst mitgebrachten Frischhaltedosen verpackt werden. Gänzlich vermeiden sollte man natürlich allein schon aus Gründen des gesunden Menschenverstands vorgepellte Eier oder Orangen in Plastikverpackungen. Wer komplett auf Verpackungen verzichten möchte, sollte einmal bei der Nachfüllbar (Bruchwiesenstr. 6) in Saarbrücken vorbeischauen. Dort können viele regionale, nachhaltig produzierte und fair gehandelte Produkte in eigenen Behältern abgefüllt und gekauft werden.

Nicht die erstbeste Grillkohle kaufen

Viele machen sich vermutlich keine Gedanken darum, woher die Holzkohle kommt, die man am Wochenende zum Schwenken verwendet, dabei hat diese oft einen sehr weiten Weg hinter sich und ist das Produkt von Brandrodungen am anderen Ende der Welt. Auch wenn es teurer ist, sollte man beim Kauf von Grillkohle auf das FSC-Siegel und ein DIN-Prüfzeichen achten, das bestätigt, dass keine Tropenhölzer verwendet wurden und die Kohle keine Schadstoffe enthält. Nachhaltige Alternativen zu Holzkohle sind zum Beispiel Briketts aus Olivenkernen, Kokosnussschalen oder Weinreben. Diese sind zwar etwas teurer, werden aber ausschließlich aus den Abfallprodukten der Olivenöl-, Kokosmilch- oder Weinproduktion hergestellt und sind daher nachhaltig.

Produkte nur in Mengen kaufen, die man auch verbraucht

Seien wir ehrlich, jeder von uns hat schon Wurst, Käse oder Joghurt gekauft, die man wegwerfen musste, weil man sie nicht rechtzeitig gegessen hat. Gerade in Deutschland mit all seinen Discountern und extrem günstigen Lebensmitteln scheint niemand ein schlechtes Gewissen deswegen zu haben. Nach Berechnungen des WWF werfen die Deutschen Jahr für Jahr etwa 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weg und darunter befinden sich nicht selten welche, die noch vollkommen in Ordnung sind. Auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, heißt dies keineswegs, dass das Nahrungsmittel ungenießbar ist. Die beste Devise bei schnell verderblichen Lebensmitteln ist jedoch: Nur so viel kaufen, wie man auch sicher in absehbarer Zeit verbrauchen kann.

Obst und Gemüse der Saison kaufen

Erdbeeren im Januar, Äpfel im März und Kürbis im April? Viele möchten das ganze Jahr über ihr Lieblingsobst und -gemüse genießen. Da in Deutschland im Januar aber keine Erdbeeren wachsen, kommen diese oft aus Ägypten, Äpfel und Trauben aus Südafrika und Kürbisse aus Südamerika. Da braucht man nicht besonders viel Fantasie, um sich auszurechnen, dass die CO2-Bilanz solcher Produkte negativ ausfallen. Auch Gemüse aus dem Gewächshaus, das nicht so weit entfernt ist, hat einen Wermutstropfen: Für die Bestäubung der Pflanzen werden Hummelschwärme eingesetzt, die nach der Saison vergast oder verbrannt werden. Besser also auf die Obst- und Gemüsesorten zurückgreifen, die gerade Saison haben oder gut über Winter gelagert werden können.

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